Ein Er­be kann mit der Dürf­tig­keits­ein­re­de (§ 1990 BGB) ver­hin­dern, dass Nach­lass­gläu­bi­ger im We­ge der Zwangs­voll­stre­ckung auf sein Ei­gen­ver­mö­gen zu­grei­fen. Er muss je­doch trotz der Ein­re­de die Zwangs­voll­stre­ckung in den Nach­lass dul­den (§ 1990 Abs. 1 S. 2 BGB), d.h. der Nach­lass­gläu­bi­ger kann wei­ter­hin in den ver­blie­be­nen Nach­lass voll­stre­cken und bei­spiels­wei­se ei­nen zum Nach­lass ge­hö­ren­den Pkw pfän­den. Zur Vor­be­rei­tung kann es hilf­reich sein, dem Er­ben ei­ne auf den Nach­lass be­schränk­te Ver­mö­gens­aus­kunft (§ 802c ZPO) ab­neh­men zu las­sen, wenn be­reits ein ge­gen den Erb­las­ser er­wirk­ter und nach § 727 ZPO auf den Er­ben um­ge­schrie­be­ner Ti­tel vorliegt.

Na­tür­lich soll­te der Gläu­bi­ger vor­her prü­fen, ob die Vor­aus­set­zun­gen der Dürf­tig­keits­ein­re­de über­haupt vor­lie­gen. Das rich­tet sich nach § 1990 Abs. 1 S. 1 BGB und ist im Er­geb­nis der Fall, wenn die Nach­lassak­ti­va die Kos­ten ei­ner Nach­lass­ver­wal­tung oder ei­nes Nach­lassin­sol­venz­ver­fah­rens nicht de­cken wür­den (LG Düs­sel­dorf, Ur­teil vom 06.10.2008, Az. 15 O 314/06). Da­bei ist zu be­ach­ten, dass die Dürf­tig­keit nicht zum Zeit­punkt des Erb­falls vor­lie­gen muss. Sie kann auch erst da­durch ein­ge­tre­ten, dass der Er­be Tei­le des Nach­las­ses zur Be­frie­di­gung von Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten ver­wen­det (LG Düs­sel­dorf, Ur­teil vom 06.10.2008, Az. 15 O 314/06). Da­bei gilt das Prio­ri­täts­prin­zip, d. h. ein Nach­lass­gläu­bi­ger hat kei­ne Zeit zu ver­lie­ren… Wel­che Ver­bind­lich­kei­ten der Er­be be­frie­di­gen darf, oh­ne die Dürf­tig­keits­ein­re­de zu be­ein­träch­ti­gen, er­gibt sich aus § 1967 BGB. Da­zu gehören:

  • Erb­las­ser­schul­den (z. B. Mietschulden),
  • Erb­fall­schul­den (z. B. Be­er­di­gungs­kos­ten, Ver­mächt­nis­se) und
  • Nach­las­ser­ben­schul­den (z. B. Ver­bind­lich­kei­ten aus der Ver­wal­tung des Nach­las­ses, et­wa zur Si­che­rung ei­nes Nachlassgebäudes).

Dass ei­ne For­de­rung erst nach dem Erb­fall fäl­lig ge­wor­den ist, schließt üb­ri­gens nicht aus, dass es sich um ei­ne Erb­las­ser­schuld han­delt. Das kommt vor al­lem für For­de­run­gen aus Miet­ver­hält­nis­sen in Be­tracht (vgl. BGH, Ur­teil vom 23.01.2013, Az. VIII ZR 68/12).

Bei der Zwangs­voll­stre­ckung durch ei­nen Nach­lass­gläu­bi­ger, der be­reits ei­nen Ti­tel ge­gen den Erb­las­ser er­wirkt hat­te, wird ein Streit über die Dürf­tig­keits­ein­re­de im Rah­men ei­ner Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge aus­ge­tra­gen (§§ 781, 785, 767 ZPO), d. h. der Gläu­bi­ger voll­streckt und der Schuld­ner macht im We­ge Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge die Dürf­tig­keits­ein­re­de gel­tend. Der Gläu­bi­ger kann dann sei­ner­seits im We­ge der Wi­der­kla­ge vor al­lem Aus­kunft und Rech­nungs­le­gung ver­lan­gen (Loh­mann, in: Beck­OK-BGB, 56. Ed. 2020, § 1990 Rn. 8).

Geht es nicht um ei­nen Al­lein­er­ben, son­dern meh­re­re Mit­er­ben, kann sich je­der Mit­er­be bis zur Nach­las­s­tei­lung oh­ne­hin grund­sätz­lich dar­auf be­ru­fen, für Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten nur mit sei­nem An­teil am Nach­lass zu haf­ten (auf­schie­ben­de Ein­re­de der be­schränk­ten Mit­er­ben­haf­tung, § 2059 Abs. 1 Satz 1 BGB). Nach der Nach­las­s­tei­lung ob­liegt es je­dem ein­zel­nen Mit­er­ben, mit der Dürf­tig­keits­ein­re­de ei­ner Zwangs­voll­stre­ckung in sein Ei­gen­ver­mö­gen entgegenzutreten.

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Zwangs­voll­stre­ckung und die Ein­re­de der Be­dürf­tig­keit des Nachlasses