Ein Gläu­bi­ger, der be­reits ei­nen Voll­stre­ckungs­ti­tel ge­gen den Schuld­ner hat, muss sei­ne For­de­rung trotz­dem zur Ta­bel­le an­mel­den, um am In­sol­venz­ver­fah­ren teil­neh­men. Han­delt es sich um ei­ne For­de­rung aus ei­ner vor­sätz­lich be­gan­ge­nen un­er­laub­ten Hand­lung oder rück­stän­di­gen ge­setz­li­chen Un­ter­halt, den der Schuld­ner vor­sätz­lich pflicht­wid­rig nicht ge­währt hat, kann der Gläu­bi­ger die­se Ei­gen­schaft eben­falls an­ge­ben (§ 174 Abs. 2 In­sO). Er wird da­mit un­ter Um­stän­den er­rei­chen, dass die For­de­rung auf­grund des be­son­de­ren Schuld­grun­des von der Rest­schuld­be­frei­ung aus­ge­nom­men bleibt (§ 302 Nr. 1 In­sO). Ein ent­spre­chen­des In­ter­es­se er­gibt sich zum Bei­spiel im Rah­men des Rück­griffs nach § 7 UVG.

Der Schuld­ner kann sei­ner­seits Wi­der­spruch ge­gen die For­de­rung er­he­ben (vgl. § 175 Abs. 2, § 178 Abs. 2 S. 2 In­sO). Ist die In­sol­venz­for­de­rung be­reits ti­tu­liert, ob­liegt es an­schlie­ßend grund­sätz­lich dem Schuld­ner, sei­nen Wi­der­spruch im Kla­ge­we­ge zu ver­fol­gen (§ 184 Abs. 2 In­sO), z.B. mit ei­ner Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge nach § 767 ZPO, weil er die For­de­rung für ver­jährt hält. Er hat die so­ge­nann­te Be­trei­bungs­last.

Der Schuld­ner kann sei­nen Wi­der­spruch je­doch auf den Schuld­grund be­schrän­ken. Dann hat er die Be­trei­bungs­last nach § 184 Abs. 2 In­sO nur, wenn der Ti­tel auch den Schuld­grund aus­drück­lich fest­stellt (Sinz, in: Uh­len­bruck, In­sO, 15. Auf­la­ge 2019, § 184 Rn. 20 m.w.N.; Rie­del, in: Beck­OK-In­sO, 13. Edi­ti­on 2019, § 302 Rn. 9a). Ein Voll­stre­ckungs­be­scheid schei­det da­für von vorn­her­ein aus (Sinz, a.a.O., § 184 Rn. 21 m.w.N.; Rie­del, a.a.O.). Ist der Schuld­grund noch nicht ent­spre­chend fest­ge­stellt, liegt die Be­trei­bungs­last dem­nach beim Gläu­bi­ger. Will er sei­ne For­de­rung (weiter-)vollstrecken, so­bald das In­sol­venz­ver­fah­ren be­en­det und dem Schuld­ner die Rest­schuld­be­frei­ung er­teilt wur­de, hat er da­für zwei Hand­lungs­op­tio­nen:

a) Er tut zu­nächst nichts. Trotz des Schuld­ner­wi­der­spruchs wird er nach Er­tei­lung der Rest­schuld­be­frei­ung ei­nen voll­streck­ba­ren Ta­bel­len­aus­zug er­hal­ten (BGH, Be­schluss vom 03.04.2014, Az. IX ZB 93/13). Be­ginnt er an­schlie­ßend mit der Voll­stre­ckung, wird sich der Schuld­ner aber sehr wahr­schein­lich mit der Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge nach § 767 ZPO und dem Ver­weis auf die Rest­schuld­be­frei­ung ver­tei­di­gen (vgl. BGH, Be­schluss vom 03.04.2014, Az. IX ZB 93/13). Der Gläu­bi­ger müss­te dar­auf­hin den be­son­de­ren Schuld­grund als Aus­nah­me von der Rest­schuld­be­frei­ung dar­le­gen und be­wei­sen (BGH, Be­schluss vom 03.04.2014, Az. IX ZB 93/13; BGH, Ur­teil vom 02.12. 2010, Az. IX ZR 247/09).

b) Der Gläu­bi­ger führt vor der Voll­stre­ckung ein nicht frist­ge­bun­de­nes ti­tel­er­gän­zen­des Ver­fah­ren mit dem Ziel durch, den be­son­de­ren Rechts­grund fest­stel­len zu las­sen (vgl. BGH, Ur­teil vom 02.12.2010, Az. IX ZR 247/09; Sinz, a.a.O., Rn. 20 f.; Rie­del a.a.O.). Auch in die­sem Ver­fah­ren trifft den Gläu­bi­ger die Dar­le­gungs- und Be­weis­last für den Schuld­grund (KG, Ur­teil vom 21.11.2018, Az. 7 U 47/08).

Die­se Si­tua­ti­on kann der Gläu­bi­ger zwar da­durch ver­mei­den, dass er so­gleich ei­ne Ti­tu­lie­rung wählt, die den Schuld­grund rechts­kräf­tig fest­stellt, d.h. vor al­lem nicht das ge­richt­li­che Mahn­ver­fah­ren. Letzt­lich ist das aber ei­ne Ab­wä­gung zwi­schen Auf­wand und Ri­si­ko.

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Zum Wi­der­spruch des Schuld­ners ge­gen den Schuld­grund nach § 302 Nr. 1 In­sO