Ist ein Haft­be­fehl nach § 802g Abs. 1 S. 1 ZPO, der er­las­sen wur­de, um die Ab­ga­be ei­ner er­neu­ten Ver­mö­gens­aus­kunft (§ 802d ZPO) zu er­zwin­gen, des­halb nicht mehr voll­streck­bar, weil die zwei­jäh­ri­ge Sperr­frist der ur­sprüng­li­chen Ver­mö­gens­aus­kunft zwi­schen­zeit­lich ab­ge­lau­fen ist? Die­se Fra­ge hat­te kürz­lich das Amts­ge­richt Leip­zig zu ent­schei­den (AG Leip­zig, Be­schluss vom 11.06.2019, Az. 431 M 4133/19).

In dem dor­ti­gen Sach­ver­halt hat­te der Schuld­ner An­fang Fe­bru­ar 2017 die Ver­mö­gens­aus­kunft ab­ge­ge­ben. Im No­vem­ber 2018 be­an­trag­te der Gläu­bi­ger, dem Schuld­ner die Ver­mö­gens­aus­kunft er­neut ab­zu­neh­men (§ 802d ZPO). Zu dem dar­auf­hin an­be­raum­ten Ter­min im De­zem­ber 2018 er­schien der Schuld­ner je­doch nicht. Das Amts­ge­richt er­ließt dar­auf­hin im Ja­nu­ar 2019 an­trags­ge­mäß ei­nen Haft­be­fehl (§ 802g Abs. 1 S. 1 ZPO). En­de Fe­bru­ar 2019 lehnt es die zu­stän­di­ge Ge­richts­voll­zie­he­rin ab, die Ver­haf­tung des Schuld­ners zu be­trei­ben. Zur Be­grün­dung führ­te sie aus, dass die Sperr­frist der ur­sprüng­li­chen Ver­mö­gens­aus­kunft von An­fang Fe­bru­ar 2017 zwi­schen­zeit­lich ab­ge­lau­fen sei. Sie ver­wies den Gläu­bi­ger auf die Mög­lich­keit, ei­ne Ver­mö­gens­aus­kunft nach § 802c ZPO zu be­an­tra­gen. Da­ge­gen leg­te der Gläu­bi­ger Er­in­ne­rung (§ 766 Abs. 1 ZPO) ein.

Das Ge­richt folg­te der Ar­gu­men­ta­ti­on des Gläu­bi­gers: Die Tat­be­stän­de, bei de­ren Ein­tritt ein Haft­be­fehl nicht mehr voll­streckt wer­den darf, sind ge­setz­lich ge­re­gelt (§§ 802h, 802j ZPO, §§ 775, 776 ZPO). Die vor­lie­gen­de Kon­stel­la­ti­on, dass zwi­schen­zeit­lich die Frist des § 802d ZPO ab­ge­lau­fen ist, zählt nicht da­zu.

Das ist dar­in be­grün­det, dass es sich bei § 802d ZPO nicht um ei­ne be­son­de­re Art der Ver­mö­gens­aus­kunft han­delt. Bei der er­neu­ten Ab­nah­me der Ver­mö­gens­aus­kunft nach § 802d ZPO wird viel­mehr le­dig­lich die zwei­jäh­ri­ge Sperr­frist ver­kürzt und da­mit der Zeit­punkt vor­ver­la­gert, zu dem der Schuld­ner die Ver­mö­gens­aus­kunft wie­der­holt ab­ge­ge­ben muss. Ver­fah­ren und In­halt re­geln auch in­so­weit die §§ 802c, 802f ZPO. Der Ab­lauf der re­gu­lä­ren Sperr­frist von zwei Jah­ren än­dert da­her nichts dar­an, dass der Schuld­ner zur Ab­ga­be der Ver­mö­gens­aus­kunft in dem in § 802c ZPO ge­nann­ten Um­fang ver­pflich­tet bleibt. Der Haft­be­fehl dient da­zu, die­se Ver­pflich­tung durch­zu­set­zen.

Bit­te be­ach­ten Sie die Nut­zungs­be­din­gun­gen.

Voll­stre­ckung ei­nes Haft­be­fehls bei er­neu­ter Ver­mö­gens­aus­kunft