Die­se Fall­ge­stal­tung kommt in der Pra­xis im­mer wie­der vor: Der Schuld­ner be­zieht Ar­beits­lo­sen­geld II von 900,00 €, das je­weils am Mo­nats­en­de im Vor­aus auf sein ge­pfän­de­tes Pfän­dungs­schutz­kon­to über­wie­sen wer­den. Auf­grund von Ver­zö­ge­run­gen bei der Be­ar­bei­tung wird die Zah­lung für Ok­to­ber 2019 nicht En­de Sep­tem­ber, son­dern erst An­fang Ok­to­ber 2019 an den Schuld­ner über­wie­sen. En­de Ok­to­ber 2019 geht au­ßer­dem das Ar­beits­lo­sen­geld II für No­vem­ber 2019 auf dem Kon­to ein. An­de­re Zah­lungs­ein­gän­ge lie­gen nicht vor.

Das kon­to­füh­ren­de Kre­dit­in­sti­tut teilt dem Schuld­ner An­fang No­vem­ber 2019 mit, dass sich durch den Zah­lungs­ein­gang im Ok­to­ber 2019 von 1.800,00 € ein pfänd­ba­rer Be­trag er­gibt, der an den Pfän­dungs­gläu­bi­ger ab­zu­füh­ren sein wird.

Was kann der Schuld­ner tun? Er soll­te beim Voll­stre­ckungs­ge­richt be­an­tra­gen, dass der pfand­freie Be­trag für Ok­to­ber 2019 ab­wei­chend fest­ge­setzt und si­cher­ge­stellt wird, dass er über das da­durch pfän­dungs­freie Gut­ha­ben nach der Rechts­kraft der Ent­schei­dung tat­säch­lich ver­fü­gen kann (§ 850k Abs. 4 S. 1 iVm Abs. 1 ZPO).

Bei der ab­wei­chen­den Fest­set­zung nach § 850k Abs. 4 S. 1 iVm Abs. 1 ZPO wird das Voll­stre­ckungs­ge­richt § 42 Abs. 4 SGB II zu be­rück­sich­ti­gen ha­ben, der be­stimmt, dass der An­spruch auf Leis­tun­gen zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­hal­tes nicht ge­pfän­det wer­den kann (BGH, Be­schluss vom 24.01.2018, Az. VII ZB 27/17). Die Norm be­zweckt, dass die der Si­che­rung des Exis­tenz­mi­ni­mums die­nen­den Le­bens­un­ter­halts­leis­tun­gen des SGB II bei den leis­tungs­be­rech­tig­ten Per­so­nen ver­blei­ben (BT-Drucks. 18/8041, S. 56). Dem Schuld­ner ist nach § 850k Abs. 4 ZPO so­mit der Pfän­dungs­schutz zu ge­wäh­ren, der ihm un­ter An­wen­dung von § 850k ZPO zu­ge­stan­den hät­te, wenn die Be­trä­ge in den Leis­tungs­zeit­räu­men ge­zahlt wor­den wä­ren, auf die sie sich be­zie­hen.

Bei der Ent­schei­dung muss das Voll­stre­ckungs­ge­richt si­cher­stel­len, dass dem Schuld­ner der pfän­dungs­freie Be­trag tat­säch­lich zu­gu­te­kommt (BGH, Be­schluss vom 24.01.2018, Az. VII ZB 27/17). Es könn­te et­wa an­ord­nen, dass

  1. der pfand­freie Be­trag nach § 850k Abs. 1 S. 1 ZPO für Ok­to­ber 2019 auf 1.800,00 € fest­ge­setzt wird,
  2. der Schuld­ner über Gut­ha­ben in Hö­he des (nach be­reits er­folg­ten Ver­fü­gun­gen) ver­blie­be­nen pfand­frei­en Be­tra­ges für Ok­to­ber 2019 bis zum En­de des Ka­len­der­mo­nats der Rechts­kraft der Ent­schei­dung ver­fü­gen darf und
  3. das pfand­freie Gut­ha­ben nach Nr. 2, so­weit der Schuld­ner dar­über nicht bis zum En­de des Ka­len­der­mo­nats der Rechts­kraft der Ent­schei­dung nicht ver­fügt hat, ent­spre­chend § 850k Abs. 1 S. 3 ZPO im dar­auf­fol­gen­den Ka­len­der­mo­nat nicht von der Pfän­dung er­fasst wird.

Bit­te be­ach­ten Sie die Nut­zungs­be­din­gun­gen.

Ver­spä­te­te Zah­lung auf ein Pfän­dungs­schutz­kon­to