In der Pra­xis kommt es im­mer wie­der vor, dass der Schuld­ner über ei­ne Ei­gen­tums­woh­nung oder ein Grund­stück ver­fügt, das mit ei­nem Wohn­haus be­baut ist, und er dort Ver­wand­te, Freun­de oder Be­kann­te (an­geb­lich) kos­ten­frei woh­nen lässt. Ei­ne Pfän­dung von an­geb­li­chen Miet­for­de­run­gen des Schuld­ners geht da­bei ins Lee­re, weil kein Miet­ver­hält­nis be­steht. Das er­gibt sich zu­min­dest häu­fig aus den ab­zu­ge­ben­den Dritt­schuld­ner­er­klä­run­gen.

In die­ser Kon­stel­la­ti­on stellt sich zu­nächst die Fra­ge, ob der Gläu­bi­ger ei­ne “fik­ti­ve Mie­te” pfän­den kann. An ei­ne ähn­li­che Kon­stel­la­ti­on hat der Ge­setz­ge­ber bei der Pfän­dung von Ar­beits­ein­kom­men ge­dacht. So heißt es in § 850 Abs. 2 S. 1 ZPO:

Leis­tet der Schuld­ner ei­nem Drit­ten in ei­nem stän­di­gen Ver­hält­nis Ar­bei­ten oder Diens­te, die nach Art und Um­fang üb­li­cher­wei­se ver­gü­tet wer­den, un­ent­gelt­lich […], so gilt im Ver­hält­nis des Gläu­bi­gers zu dem Emp­fän­ger der Ar­beits- und Dienst­leis­tun­gen ei­ne an­ge­mes­se­ne Ver­gü­tung als ge­schul­det.

§ 850h Abs. 2 S. 1 ZPO

Ei­ne ver­gleich­ba­re Vor­schrift exis­tiert für die Pfän­dung von Miet­for­de­run­gen je­doch nicht. Ei­ne Ana­lo­gie zu § 850h Abs. 2 S. 1 ZPO schei­det eben­falls aus, weil der Ge­setz­ge­ber die vor­lie­gen­de Kon­stel­la­ti­on ge­se­hen und an­der­wei­tig ge­re­gelt hat. Der Gläu­bi­ger kann sie näm­lich über die An­ord­nung ei­ner Zwangs­ver­wal­tung lö­sen. Ein Zwangs­ver­wal­ter wird mit den Be­woh­nern Miet­ver­trä­ge schie­ßen, Nut­zungs­ent­schä­di­gun­gen ver­lan­gen (§ 812 BGB) oder ggf. für Zwangs­räu­mun­gen sor­gen. Ein Blei­be­recht ha­ben die Ver­wand­ten, Freun­de oder Be­kann­ten in dem ein­gangs be­schrie­be­nen Fall näm­lich nicht. Das stün­de nur dem Schuld­ner und sei­nem Haus­stand zu:

Wohnt der Schuld­ner zur Zeit der Be­schlag­nah­me auf dem Grund­stü­cke, so sind ihm die für sei­nen Haus­stand un­ent­behr­li­chen Räu­me zu be­las­sen.

§ 146 Abs. 1 ZVG

Bit­te be­ach­ten Sie die Nut­zungs­be­din­gun­gen.

Schuld­ner oh­ne Miet­ein­an­h­men