Sind Un­ter­halts­for­de­run­gen nach § 7 UVG auf das Land über­ge­gan­gen und lag be­reits ein Voll­stre­ckungs­ti­tel für das Kind vor, er­ge­ben sich in der Pra­xis im­mer wie­der Pro­ble­me und Fra­gen im Zu­sam­men­hang mit der “Um­schrei­bung” die­ses Ti­tels auf das Land.

Klau­sel­ver­fah­ren

Die “Um­schrei­bung” er­folgt durch die Er­tei­lung ei­ner Rechts­nach­fol­ge­klau­sel. Da­für muss die Un­ter­halts­vor­schuss- bzw. Kom­mu­nal­kas­se dem ti­tel­schaf­fen­den Or­gan, zB dem Fa­mi­li­en­ge­richt, ei­ne öf­fent­li­che oder öf­fent­lich be­glau­big­te Ur­kun­de iSd § 415 ZPO vor­le­gen, aus der sich die Rechts­nach­fol­ge, dh der ge­setz­li­che For­de­rungs­über­gang nach § 7 UVG, er­gibt (§§ 727 Abs. 1, 795 ZPO, § 60 S. 3 SGB VIII). Da­bei han­delt es sich um ei­ne ge­sie­gel­te Be­stä­ti­gung, dass und in wel­cher mo­nat­li­chen Hö­he Leis­tun­gen nach dem UVG be­wil­ligt und aus­ge­zahlt wur­den (DI­JuF JAmt 2016, 124), sog. Aus­zah­lungs­be­stä­ti­gung. Wer sie be­hör­den­in­tern er­tei­len darf, soll­te bin­nen­or­ga­ni­sa­to­risch ge­re­gelt wer­den, zB in ei­ner Dienst­sie­gel­ord­nung.

Die Aus­zah­lungs­be­stä­ti­gung wird das klau­seler­tei­len­de Or­gan im Text der Klau­sel be­nen­nen, zB: “[…] Rechts­nach­fol­ge ist kraft Ge­set­zes ein­ge­tre­ten (§ 7 UVG) und wur­de durch ei­ne Aus­zah­lungs­be­stä­ti­gung der Stadt­kas­se … vom 11.06.2019 nach­ge­wie­sen”.

Zu­stel­lung

Be­vor der Er­lass ei­nes Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schlus­ses be­an­tragt wird, müs­sen dem Schuld­ner

  • der Ti­tel,
  • die Rechts­nach­fol­ge­klau­sel und
  • die Aus­zah­lungs­be­stä­ti­gung

zu­ge­stellt wor­den sein (§§ 750 Abs. 1, 2, 795 ZPO, § 60 S. 3 SGB VIII). Wich­tig ist, dass ex­akt die in der Klau­sel ge­nann­te Aus­zah­lungs­be­stä­ti­gung und nicht et­wa ei­ne Be­stä­ti­gung an­de­ren Da­tums zu­ge­stellt wird. An­dern­falls wird das Voll­stre­ckungs­ge­richt die feh­len­de Zu­stel­lung be­an­stan­den und den be­an­trag­ten Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schluss nicht er­las­sen.

Soll zu­nächst der Ge­richts­voll­zie­her voll­stre­cken, zB die Ver­mö­gens­aus­kunft ab­neh­men, kann er gleich­zei­tig mit der obi­gen Zu­stel­lung be­auf­tragt wer­den (Mo­dul D der An­la­ge zur GVFV).

Gläu­bi­ge­r­iden­ti­tät

Des Wei­te­ren soll­te die Un­ter­halts­vor­schuss- bzw. Kom­mu­nal­kas­se dar­auf ach­ten, dass in der Rechts­nach­fol­ge­klau­sel der rich­ti­ge Gläu­bi­ger be­zeich­net wird. Die Klau­sel muss dem je­wei­li­gen Land er­teilt wer­den (§ 7 Abs. 1 S. 1 UVG), zB “… wird dem Rechts­nach­fol­ger Frei­staat Sach­sen … zum Zwe­cke der Zwangs­voll­stre­ckung … er­teilt”. Ob die Ver­tre­tungs­ver­hält­nis­se in der Klau­sel an­ge­ge­ben wer­den (“…, ver­tre­ten durch die Stadt …”), ist un­er­heb­lich.

Falsch wä­re es, die Klau­sel der Un­ter­halts­vor­schuss- bzw. Kom­mu­nal­kas­se oder der kom­mu­na­len Ge­biets­kör­per­schaft zu er­tei­len, zB “… wird dem Rechts­nach­fol­ger Land­kreis …” oder “… wird dem Rechts­nach­fol­ger Ju­gend­amt …”. Ist das pas­siert, hat die Kas­se zwei (im Er­geb­nis un­taug­li­che) Mög­lich­kei­ten:

  • Sie gibt im Pfän­dungs­an­trag als Gläu­bi­ger rich­ti­ger­wei­se das Land an. Dann wird das Voll­stre­ckungs­or­gan die feh­len­de Über­ein­stim­mung zwi­schen dem Gläu­bi­ger in der Klau­sel und dem Gläu­bi­ger im An­trag be­an­stan­den. Zwar könn­te ar­gu­men­tiert wer­den, dass die Klau­sel auf­grund des ge­setz­li­chen For­de­rungs­über­gangs an das Land aus­le­gungs­fä­hig ist. Da­ge­gen lie­ßen sich aber die stren­ge For­ma­li­sie­rung des Voll­stre­ckungs­ver­fah­rens, die Auf­ga­ben­ver­tei­lung zwi­schen Klau­seler­tei­lungs- und Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren so­wie der Um­stand an­füh­ren, dass die kom­mu­na­le Ge­biets­kör­per­schaft als Gläu­bi­ger nicht von vorn­her­ein aus­schei­det (Stich­wort: Ab­tre­tung).
  • Die Kas­se über­nimmt die An­ga­ben aus der Rechts­nach­fol­ge­klau­sel und gibt im Pfän­dungs­an­trag als Gläu­bi­ger sich selbst (zB “Ju­gend­amt …”) bzw. die Kom­mu­ne (zB “Stadt …”) an. Dann stim­men An­trag und Klau­sel zwar for­mal über­ein, al­ler­dings steht die For­de­rung ma­te­ri­ell-recht­lich dem Land zu. Der Schuld­ner könn­te sich da­her ge­gen die Voll­stre­ckung er­folg­reich zur Wehr set­zen.

Was bleibt in ei­nem sol­chen Fall tun? Es braucht ei­ne kor­rek­te Klau­sel. Die Kom­mu­ne könn­te ver­su­chen, beim klau­seler­tei­len­den Or­gan mit Ver­weis auf § 7 UVG und den Über­gang auf das Land ei­ne Be­rich­ti­gung der Rechts­nach­fol­ge­klau­sel (§ 319 ZPO) zu er­hal­ten. Hilfs­wei­se könn­te die kor­rek­te Neu­er­tei­lung der Klau­sel nach § 727 ZPO be­an­tragt wer­den. An­schlie­ßend müss­ten die (neue) Klau­sel und die in der Klau­sel ge­nann­te Aus­zah­lungs­be­stä­ti­gung dem Schuld­ner zu­ge­stellt wer­den (sie­he oben). Da­nach könn­te zB ein Pfän­dungs- Über­wei­sungs­be­schluss mit der rich­ti­gen Gläu­bi­ger­be­zeich­nung (zB “Frei­staat Sach­sen”) be­an­tragt wer­den.

Bit­te be­ach­ten Sie die Nut­zungs­be­din­gun­gen.

Rechts­nach­fol­ge­klau­sel und Un­ter­halts­vor­schuss