Ei­ne Si­tua­ti­on, die in der Voll­stre­ckungs­pra­xis re­gel­mä­ßig vor­kommt: Der Gläu­bi­ger bzw. die Voll­stre­ckungs­be­hör­de hat das Kon­to des Schuld­ners ge­pfän­det. Im Nach­gang stellt sich her­aus, dass es sich um ein Ge­mein­schafts­kon­to in der Form ei­nes Oder-Kon­tos han­delt. Auf dem Kon­to geht auch das Ein­kom­men des nicht-schuld­ne­ri­schen Mit­kon­to­in­ha­bers ein. Er wen­det ein, mit der Voll­stre­ckung nicht zu tun zu ha­ben und be­gehrt die Frei­ga­be des Kon­to­gut­ha­bens, das aus sei­nem Ein­kom­men stammt, bzw. die Rück­zah­lung ent­spre­chen­der Be­trä­ge, die das Kre­dit­in­sti­tut be­reits aus­ge­kehrt hat­te.

Die Mit­kon­to­in­ha­ber sind so­ge­nann­te Ge­samt­gläu­bi­ger des Kre­dit­in­sti­tuts. Bei Ge­samt­gläu­bi­gern kann der Schuld­ner — hier: das Kre­dit­in­sti­tut für die Aus­zah­lung des Kon­to­gut­ha­bens — grund­sätz­lich frei ent­schei­den, an wel­chen der Ge­samt­gläu­bi­ger es leis­tet (§ 428 S. 1 BGB). Bei Oder-Kon­ten ist die Aus­wahl­mög­lich­keit des Kre­dit­in­sti­tuts al­ler­dings ver­kehrs­üb­lich ab­be­dun­gen, dh das Kre­dit­in­sti­tut muss an den Mit­kon­to­in­ha­ber leis­ten, der dies zu­erst von ihm ver­langt (LG Frank­furt a.M., Be­schluss vom 04.11.2003, Az. 2 – 21 O 155/03). Die Pfän­dung und Ein­zie­hung bzw. Über­wei­sung zu­guns­ten des Voll­stre­ckungs­gläu­bi­gers ist ein sol­ches Leis­tungs­ver­lan­gen (LG It­ze­hoe, Ur­teil vom 30.03.2010, Az. 1 S 145/09). Das Kre­dit­in­sti­tut muss da­her das Gut­ha­ben nach Maß­ga­be des Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schlus­ses bzw. der Pfän­dungs- und Ein­zie­hungs­ver­fü­gung an den Voll­stre­ckungs­gläu­bi­ger aus­keh­ren. Ab­spra­chen im In­nen­ver­hält­nis der Mit­kon­to­in­ha­ber sind da­für un­re­le­vant. Es be­stehen al­len­falls in­ter­ne Aus­gleichs­an­sprü­che (vgl. § 430 BGB), die für den Voll­stre­ckungs­gläu­bi­ger aber un­er­heb­lich sind. Des­halb hat der nicht-schuld­ne­ri­sche Mit­kon­to­in­ha­ber auch kei­nen An­spruch ge­gen den Gläu­bi­ger auf Frei­ga­be ge­pfän­de­ter oder Rück­zah­lung be­reits aus­ge­kehr­ter Be­trä­ge (vgl. BGH, Be­schluss vom 06.06.2002, Az. IX ZR 169/01).

Am Rand: Das Oder-Kon­to kann nie ein Pfän­dungs­schutz­kon­to sein. Das er­gibt sich aus § 850k VII 1 ZPO, der le­dig­lich von „eine[r] natürliche[n] Per­son“ spricht.

Bit­te be­ach­ten Sie die Nut­zungs­be­din­gun­gen.

Pfän­dung von Oder-Kon­­ten und Mit­kon­to­in­ha­ber