Der BGH hat sich jüngst zum Pfän­dungs­schutz für den An­spruch des Schuld­ners auf Rück­zah­lung ei­ner Miet­kau­ti­on ge­äu­ßert. Zwar ging es in dem ent­schie­de­nen Sach­ver­halt um die Fra­ge, ob der Rück­zah­lungs­an­spruch aus der In­sol­venz­mas­se frei­zu­ge­ben sei, die Ant­wor­ten des BGH las­sen sich je­doch auf die Pfän­dung des Kau­ti­ons­rück­zah­lungs­an­spruchs über­tra­gen im We­ge der pri­vat- oder öf­fent­lich-recht­li­chen Voll­stre­ckung.

(1) Der Schuld­ner mach­te zu­nächst gel­tend, es han­de­le sich bei dem Rück­zah­lungs­an­spruch um “sons­ti­ge Ein­künf­te” i.S.d. § 850i Abs. 1 S. 1 ZPO. Das hat der BGH rich­ti­ger­wei­se ver­neint: § 850i Abs. 1 S. 1 ZPO set­ze vor­aus, dass es sich bei den “sons­ti­gen Ein­künf­ten” um selbst er­wirt­schaf­te­te Ein­künf­te han­de­le. Den An­spruch auf Rück­zah­lung ei­ner Miet­kau­ti­on ha­be der Schuld­ner aber nicht auf Grund ei­ge­ner wirt­schaft­li­cher Be­tä­ti­gung er­wor­ben. Viel­mehr han­de­le es sich um die Rück­ge­währ ei­ner zu­vor er­brach­ten Miet­si­cher­heit.

(2) Des Wei­te­ren hat­te der Schuld­ner vor­ge­tra­gen, dass er das Miet­kau­ti­ons­gut­ha­ben zur Rück­zah­lung ei­nes Dar­le­hens be­nö­ti­ge, das ihm zur Fi­nan­zie­rung der Miet­si­cher­heit für ein neu­es Miet­ver­hält­nis ge­währt wor­den sei. Des­halb wä­re es ei­ne sit­ten­wid­ri­ge Här­te i.S.d. § 765a ZPO. wenn ihm das Gut­ha­ben nicht zur Ver­fü­gung stün­de. Da sah der BGH an­ders: Der Schuld­ner be­fin­de sich in der glei­chen La­ge wie al­le In­sol­venz­schuld­ner, die nach Er­öff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens ein wirk­sa­mes Ver­pflich­tungs­ge­schäft ab­schlie­ßen, aber auf­grund des In­sol­venz­be­schlags nicht er­fül­len kön­nen. Die Gläu­bi­ger der vom Schuld­ner neu ein­ge­gan­ge­nen Ver­bind­lich­kei­ten müs­sen sich an das in­sol­venz­freie Ver­mö­gen hal­ten.

Mit die­ser Be­grün­dung wä­re ei­ne sit­ten­wid­ri­ge Här­te i.S.d. § 765a ZPO m.E. auch dann ab­zu­leh­nen ge­we­sen, wenn ei­ner Gläu­bi­ger den Kau­ti­ons­rück­zah­lungs­an­spruchs im We­ge der Ein­zel­zwangs­voll­stre­ckung ge­pfän­det hät­te. Der Schuld­ner wä­re dann schlicht nicht in der La­ge, mit dem Kau­ti­ons­gut­ha­ben ei­ne an­de­re of­fe­ne For­de­rung zu til­gen. Da­bei wür­de es sich aber um ei­ne ge­wöhn­li­che Fol­ge der Zwangs­voll­stre­ckung han­deln, die kei­ne sit­ten­wid­ri­ge Här­te be­grün­det.

Wä­re der Rück­zah­lungs­an­spruchs im We­ge der Ver­wal­tungs­voll­stre­ckung ge­pfän­det wor­den, wür­de sich m.E. nichts an­de­res er­ge­ben: Mit der obi­gen Be­grün­dung des BGH wä­re die Pfän­dung nicht als “un­bil­lig” i.S.d. § 258 AO oder ver­gleich­ba­rer Vor­schrif­ten wie § 24 Abs. 1 S. 1 VwVG LSA an­zu­se­hen.

Den Voll­text der Ent­schei­dung fin­den Sie hier: BGH, Be­schluss vom 21.02.2019, Az. IX ZB 7/17.

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Miet­kau­ti­on und Pfän­dungs­schutz