In vie­len Fäl­len ist es für den Gläu­bi­ger bzw. die Voll­stre­ckungs­be­hör­de in­ter­es­sant, nach ei­ner Pfän­dung Ein­blick in die Lohn­ab­rech­nun­gen des Schuld­ners zu neh­men. Doch wer ist auf wel­chem Weg zur Her­aus­ga­be ver­pflich­tet?

Zum ei­nen ist der der Schuld­ner so­wohl in der öf­fent­lich- als auch in der pri­vat-recht­li­che Voll­stre­ckung ver­pflich­tet, für die Dau­er der Pfän­dung die Lohn-/Ge­halts­ab­rech­nun­gen her­aus­zu­ge­ben (§ 836 Abs. 3 S. 1 ZPO und zB § 315 Abs. 1 S. 1 AO). Vgl. da­zu zB in der Anl. 2 zur ZVFV auf S. 8:

Es wird an­ge­ord­net, dass
O der Schuld­ner die Lohn- oder Ge­halts­ab­rech­nung oder die Ver­dienst­be­schei­ni­gung ein schließ­lich der ent­spre­chen­den Be­schei­ni­gun­gen der letz­ten drei Mo­na­te vor Zu­stel­lung des Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schlus­ses an den Gläu­bi­ger her­aus­zu­ge­ben hat

Anl. 2 zur ZVFV, Sei­te 8

Theo­re­tisch könn­te der Au­ßen­dienst bzw. Ge­richts­voll­zie­her mit der Weg­nah­me be­auf­tragt wer­den (§ 836 Abs. 3 S. 5 ZPO und zB § 315 Abs. 1 S. 5 AO). Doch wie vie­le Schuld­ner be­wah­ren die­se Un­ter­la­gen über­haupt oder zu­min­dest auf­find­bar auf?

Deut­lich sinn­vol­ler ist es des­halb, die Her­aus­ga­be der Lohn­ab­rech­nun­gen beim Dritt­schuld­ner, dh dem Ar­beit­ge­ber zu ver­lan­gen. Da­zu der BGH:

1. Bei der Pfän­dung ei­nes An­spruchs auf Lohn­zah­lung stellt der An­spruch auf Er­tei­lung ei­ner Lohn­ab­rech­nung ei­nen un­selb­stän­di­gen Ne­ben­an­spruch dar, wenn es der Ab­rech­nung be­darf, um den An­spruch auf Lohn­zah­lung gel­tend ma­chen zu kön­nen. Wenn nicht aus­ge­schlos­sen ist, dass dem Schuld­ner ge­gen den Dritt­schuld­ner der­ar­ti­ge An­sprü­che auf Lohn­ab­rech­nung zu­ste­hen, wer­den die­se an­geb­li­chen An­sprü­che des Schuld­ners ge­gen den Dritt­schuld­ner (Ar­beit­ge­ber) bei ei­ner Lohn­pfän­dung mit­ge­pfän­det.
2. In der­ar­ti­gen Fäl­len der Mit­pfän­dung kann das Voll­stre­ckungs­ge­richt auf An­trag des Gläu­bi­gers die Mit­pfän­dung im Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schluss (klar­stel­lend) aus­spre­chen.

BGH, Be­schluss vom 19. 12. 2012, Az. VII ZB 50/11

In der Pra­xis hat es sich be­währt, in Pfän­dungs- und Ein­zie­hungs­ver­fü­gun­gen bzw. An­trä­ge auf Er­lass ei­nes Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schlus­ses fol­gen­de For­mu­lie­rung auf­zu­neh­men.

An­spruch A (an Ar­beit­ge­ber)
1. auf Zah­lung des ge­sam­ten ge­gen­wär­ti­gen und künf­ti­gen Ar­beits­ein­kom­mens (ein­schließ­lich des Geld­wer­tes von Sach­be­zü­gen)
2. auf Aus­zah­lung des als Über­zah­lung je­weils aus­zu­glei­chen­den Er­stat­tungs­be­tra­ges aus dem durch­ge­führ­ten Lohn­steu­er-Jah­res­aus­gleich so­wie aus dem Kir­chen­lohn­steu­er-Jah­res­aus­gleich für das Ka­len­der­jahr ___________________________________ und für al­le fol­gen­den Ka­len­der­jah­re
3. auf mo­nat­li­che Über­sen­dung der Lohn­ab­rech­nun­gen

Vgl. BGH, Be­schluss vom 19. 12. 2012, Az. VII ZB 50/11

Zwar wer­den die Lohn­ab­rech­nung dann nur von we­ni­gen Ar­beit­ge­bern un­auf­ge­for­dert über­sandt. Im Be­darfs­fall kann der Gläu­bi­ger bzw. die Voll­stre­ckungs­be­hör­de die Lohn­ab­rech­nun­gen je­doch ak­tiv an­for­dern und da­bei — in der Re­gel sehr er­folg­reich — auf die Pfän­dungs- und Ein­zie­hungs­ver­fü­gun­gen bzw. den Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schluss ver­wei­sen.

Bit­te be­ach­ten Sie die Nut­zungs­be­din­gun­gen.

Her­aus­ga­be von Lohn­ab­rech­nun­gen