Wer Un­ter­halt oder For­de­run­gen aus vor­sätz­li­chen un­er­laub­ten Hand­lun­gen voll­streckt, kennt es si­cher: Vie­le Voll­stre­ckungs­ge­rich­te set­zen im Pfän­dungs­be­schluss ei­nen pfand­frei­en Be­trag nach § 850d ZPO oder § 850f Abs. 2 ZPO fest, aber es nicht er­sicht­lich, wie sie die­sen Be­trag er­mit­telt ha­ben. Das stellt Gläu­bi­ger und Schuld­ner glei­cher­ma­ßen vor das Pro­blem, dass sie nicht be­ur­tei­len kön­nen, ob sie ge­gen die Hö­he des pfand­frei­en Be­tra­ges mit der Er­in­ne­rung (§ 766 ZPO) vor­ge­hen soll­ten. Des­halb war es an der Zeit, sich die Recht­mä­ßig­keit die­ser Pra­xis ein­mal ge­nau­er an­zu­se­hen. Den da­zu­ge­hö­ri­gen Auf­satz gibt es in der ak­tu­el­len Aus­ga­be des “Rpfle­ger” zum Nach­le­sen. Mein Fa­zit:

Die Pra­xis zahl­rei­cher Voll­stre­ckungs­ge­rich­te, die Hö­he des im Pfän­dungs­be­schluss nach § 850d ZPO oder § 850f Abs. 2 ZPO her­ab­ge­setz­ten pfand­frei­en Be­tra­ges nicht zu be­grün­den, ist rechts­wid­rig. Ei­ne Be­grün­dung ist nicht le­dig­lich „durch­aus nütz­lich“ (Schusch­ke/­Wal­ker/­Kes­sal-Wul­f/­Lo­renz, Voll­stre­ckung und vor­läu­fi­ger Rechts­schutz, 6. Aufl. 2016, § 850d Rn. 20), son­dern er­for­der­lich. Für ei­nen ge­setz­mä­ßi­gen Be­schluss hat das Ge­richt den Pfän­dungs­frei­be­trag zu­min­dest nach Ein­zel­po­si­tio­nen auf­zu­schlüs­seln, ih­re je­wei­li­ge Hö­he zu be­nen­nen und kurz auf die recht­li­chen Grund­la­gen hin­zu­wei­sen.

Ben­ner Rpfle­ger 2019, 553 – 557

Im In­ter­es­se ei­nes rechts­staat­li­chen Pfän­dungs­ver­fah­rens soll­ten die Voll­stre­ckungs­ge­rich­te ih­re Pra­xis des­halb um­stel­len, so­weit sie ent­spre­chen­de Be­grün­dun­gen bis­her un­ter­las­sen ha­ben. An­sons­ten bleibt Gläu­bi­gern und Schuld­nern nur die Mög­lich­keit, ge­gen das Feh­len von Be­grün­dun­gen mit der Er­in­ne­rung (§ 766 ZPO) vor­zu­ge­hen. Ich bin schon sehr ge­spannt, wie sich die Sa­che ent­wi­ckeln wird.

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Be­grün­dungs­er­for­der­nis bei Fest­set­zung des pfand­frei­en Be­tra­ges im Pfän­dungs­be­schluss