Die Voll­stre­ckungs­be­hör­de treibt ei­ne öf­fent­li­che-recht­li­che For­de­rung bei. Der Schuld­ner legt ein “Ver­gleichs­an­ge­bot für ei­ne güt­li­che Ei­ni­gung” vor. Da­nach soll sich “die Sa­che” nach so­for­ti­ger Zah­lung des hal­ben For­de­rungs­be­tra­ges “er­le­digt” ha­ben. In wel­cher Form ist ein der­ar­ti­ges Ver­gleichs­an­ge­bot ab­zu­leh­nen und kann der Schuld­ner die Ab­leh­nung recht­lich angreifen? 

Die Ant­wor­ten auf die­se Fra­gen wer­den deut­lich, wenn man die An­nah­me des Ver­gleichs­an­ge­bots nä­her be­trach­tet. Sie wür­de be­deu­ten, dass die Be­hör­de im Ge­gen­zug zur so­for­ti­ge Zah­lung auf den hal­ben For­de­rungs­be­trag ver­zich­tet. Ein For­de­rungs­ver­zicht ist öf­fent­lich-recht­lich ein For­de­rungs­er­lass (vgl. z. B. FG Han­no­ver, Ur­teil vom 26.11.2014, Az. 9 K 55/12). Ge­nau ge­nom­men, wür­de die Be­hör­de da­her nicht das Ver­gleichs­an­ge­bot an­neh­men, son­dern ei­nen an die Teil­zah­lung ge­knüpf­ten Tei­ler­lass ge­wäh­ren. Da­zu wür­de sie mit dem Schuld­ner ei­nen öf­fent­lich-recht­li­chen (Erlass-)Vertrag schlie­ßen, der den Tei­ler­lass an die Teil­zah­lung knüpft. Die­se Ein­ord­nung ist auch des­halb er­for­der­lich, weil die Be­hör­de ei­nen Prü­fungs­maß­stab be­nö­tigt, um über die An­nah­me oder Ab­leh­nung des Ver­gleichs­an­ge­bots zu ent­schei­den. Die Vor­aus­set­zun­gen ei­nes Er­las­ses (vgl. z. B. § 227 AO, § 3 Abs. 1 Nr. 5 lit. a KAG BW, § 13a Abs. 1 S. 2 KAG LSA, § 30 Abs. 3 S. 1 KomHVO Sach­sen-An­halt, § 32 Abs. 3 S. 1 GemHVO Ba­den-Würt­tem­berg) bil­den die­sen Maßstab. 

Lie­gen die Er­lass­vor­aus­set­zun­gen nicht vor, muss die Be­hör­de das Ver­gleichs­an­ge­bot — bzw. ge­nau­er: den kon­klu­den­ten An­trag auf Tei­ler­lass — ab­leh­nen. Da der Schuld­ner in die­sem Fall nicht mit­wir­ken wird, bleibt le­dig­lich der Er­lass ei­nes ent­spre­chen­den Ver­wal­tungs­ak­tes in der Form ei­nes Be­schei­des. Der Te­nor könn­te lauten:

1. Ihr An­trag, die mit Be­scheid vom …, Az. …, fest­ge­setz­tem Ge­wer­be­steu­ern in Hö­he ei­nes Teil­be­tra­ges von … zu er­las­sen, wird ab­ge­lehnt.
2. Die­ser Be­scheid er­geht verwaltungskostenfrei.

In der Be­grün­dung ist dar­auf ein­zu­ge­hen, dass das Ver­gleichs­an­ge­bot ei­nen kon­klu­den­ten An­trag auf Tei­ler­lass be­inhal­tet. An­schlie­ßend sind die Er­lass­vor­aus­set­zun­gen zu prü­fen und im Er­geb­nis zu ver­nei­nen. Ei­ne Rechts­be­helfs­be­leh­rung soll­te we­gen § 58 Abs. 2 Vw­GO bei­gefügt werden. 

Ge­gen die Ab­leh­nung kann der Schuld­ner Wi­der­spruch ein­le­gen bzw. Kla­ge er­he­ben. Das wird er ins­be­son­de­re dann tun, wenn er meint, die Er­lass­vor­aus­set­zun­gen lä­gen vor.

Bit­te be­ach­ten Sie die Nut­zungs­be­din­gun­gen.

Ab­leh­nung von Ver­gleichs­an­ge­bo­ten über öf­­f­en­t­­lich-rech­t­­li­che Forderungen