Im Rah­men der Sach­auf­klä­rung geht es vor al­lem dar­um, ei­nen et­wai­gen Ar­beit­ge­ber des Schuld­ners zu er­mit­teln. Da­bei spielt die Ren­ten­aus­kunft in der Pra­xis ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Aus da­ten­schutz­recht­li­cher Sicht hat die Ren­ten­aus­kunft auf zwei Ebe­nen:

  • ei­ne Über­mitt­lungs­be­fug­nis der Ren­ten­ver­si­che­rung und
  • ei­ne Er­he­bungs­be­fug­nis des Voll­stre­ckungs­be­hör­de.

Die Über­mitt­lungs­be­fug­nis der Ren­ten­ver­si­che­rung fin­det sich in § 74a Abs. 1 SGB X. Dort hieß es bis zum 30.06.2020 u.a.:

Zur Durch­set­zung von öf­fent­lich-recht­li­chen An­sprü­chen in Hö­he von min­des­tens 500 Eu­ro dür­fen im Ein­zel­fall auf Er­su­chen Na­me, Vor­na­me, Ge­burts­da­tum, Ge­burts­ort, der­zei­ti­ge An­schrift der be­trof­fe­nen Per­son, ihr der­zei­ti­ger oder zu­künf­ti­ger Auf­ent­halts­ort so­wie Na­men, Vor­na­men oder Fir­ma und An­schrif­ten ih­rer der­zei­ti­gen Ar­beit­ge­ber über­mit­telt wer­den […]

§ 74a Abs. 1 SGB X

Zum 01.07.2020 ist die be­trags­mä­ßi­ge Gren­ze weg­fal­len. Die Ren­ten­ver­si­che­rung ist da­her nun­mehr auch dann zur Über­mitt­lung der ge­nann­ten per­so­nen­be­zo­ge­nen Da­ten be­fugt, wenn die bei­zu­trei­ben­de For­de­rung we­ni­ger als 500 € be­trägt. Ein Ver­gleich bei­der Ge­set­zes­fas­sun­gen fin­det sich hier und der Text des Än­de­rungs­ge­set­zes hier.

Die Über­mitt­lungs­be­fug­nis ist nur des­halb im SGB X ge­re­gelt, weil sie sich an al­le Be­hör­den rich­tet, die ei­ne öf­fent­lich-recht­li­che Ver­wal­tungs­tä­tig­keit nach dem SGB X aus­üben (vgl. § 1 Abs. 1 S. 1 SGB X). Sie gilt “auch zu­guns­ten der Voll­stre­ckungs­be­hör­den der Län­der“ (BT-Drs. 18/11613, S. 20) und be­schränkt sich nicht auf die Voll­stre­ckung so­zi­al­recht­li­cher For­de­run­gen. Die Über­mitt­lung darf da­her bei­spiels­wei­se er­fol­gen, wenn ei­ne Hun­de­steu­er­for­de­rung voll­streckt wird.

Ei­ne an­de­re Fra­ge ist in­des, ob die Voll­stre­ckungs­be­hör­de über­haupt be­rech­tigt ist, um die Da­ten­über­mitt­lung zu er­su­chen. Die­se Er­he­bungs­be­fug­nis rich­tet sich nach dem je­wei­li­gen Lan­des­recht. So re­gelt bei­spiels­wei­se § 22b NVwVG:

(1) Die Voll­stre­ckungs­be­hör­de darf
1. bei den Trä­gern der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung den Na­men, die Vor­na­men oder die Fir­ma so­wie die An­schrif­ten der der­zei­ti­gen Ar­beit­ge­ber ei­nes ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses der Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin oder des Voll­stre­ckungs­schuld­ners er­he­ben,
2. […]
(2) Von ih­ren Be­fug­nis­sen nach Ab­satz 1 darf die Voll­stre­ckungs­be­hör­de nur Ge­brauch ma­chen, wenn
1. die Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin oder der Voll­stre­ckungs­schuld­ner der Pflicht zur Ab­ga­be der Ver­mö­gens­aus­kunft nicht nach­ge­kom­men ist,
2. ei­ne Voll­stre­ckung nach dem In­halt des Ver­mö­gens­ver­zeich­nis­ses nach § 22 Abs. 7 of­fen­sicht­lich nicht ge­eig­net wä­re, zu ei­ner voll­stän­di­gen Er­fül­lung der Geld­for­de­rung, we­gen der die Ab­ga­be der Ver­mö­gens­aus­kunft an­ge­ord­net wur­de, zu füh­ren, oder
3. die Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin oder der Voll­stre­ckungs­schuld­ner we­gen der Sperr­wir­kung nach § 22 Abs. 4 nicht zur Ab­ga­be ei­ner Ver­mö­gens­aus­kunft ver­pflich­tet ist und ei­ne Voll­stre­ckung nach dem In­halt des hin­ter­leg­ten Ver­mö­gens­ver­zeich­nis­ses of­fen­sicht­lich nicht ge­eig­net wä­re, zu ei­ner voll­stän­di­gen Be­frie­di­gung der Geld­for­de­rung, we­gen der die Voll­stre­ckung be­trie­ben wird, zu füh­ren,
und die Da­ten­er­he­bung zur Voll­stre­ckung er­for­der­lich ist

§ 22b NVwVG

Ei­ne ver­gleich­ba­re Be­stim­mung ent­hält et­wa § 5b VwVG (des Bun­des).

Fehlt bis­her ei­ne spe­zi­el­le Er­he­bungs­be­fug­nis im Lan­des­recht, soll­te sie schnellst­mög­lich ge­schaf­fen wer­den. Bis da­hin kommt un­ter Um­stän­den ein Rück­griff auf all­ge­mei­ne­re da­ten­schutz­recht­li­che Er­he­bungs­be­fug­nis­se in Be­tracht, z. B.

Bis zu ei­ner kla­ren Re­ge­lung im Lan­des­ver­wal­tungs­voll­stre­ckungs­ge­setz soll­te die Voll­stre­ckungs­be­hör­de je­doch vor­her den be­hörd­li­chen Da­ten­schutz­be­auf­tra­gen um ei­ne Prü­fung bit­ten.

Bit­te be­ach­ten Sie die Nut­zungs­be­din­gun­gen.

Ren­ten­aus­kunft zur Er­mitt­lung des Ar­beit­ge­bers in der Ver­wal­tungs­voll­stre­ckung